April 2010

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Endlich Frühling. Es ist toll. Zumindest versuche ich mir das einzureden. Deswegen höre ich beim Joggen Winnetous Filmmusik. Heute morgen war der Himmel noch blau und es war warm. Jetzt ist es kalt und es regnet.Tralàla. Winnetou reitet vor meinem inneren Auge vorbei. In der nächsten Szene bin ich selbst Winnetou. Ich renne und meine Haarpracht weht. Ich bin acht und auf dem Weg zur Geburtstagsparty meiner Cousine. Die schwarze Perücke auf dem Kopf. Ich sehe meinen eigenen Schatten. Eine Silhouette mit wehendem Haar. Das Indianerkostüm ist mir auf den Leib geschneidert. In der einen Hand den Tomahawk, in der anderen die Friedenspfeife. Im Gürtel steckt das Gummimesser. Die Silberbüchse hängt über meine Schulter. Ich kann gut rennen mit dem Gewehr. Zu der Zeit haben weder Intschu Tschuna noch mein leiblicher Vater mein Talent erkannt. Sonst hätte ich jetzt vielleicht in der Heimat meiner und Karl Mays seelenverwandten Ahnen eine olympische Medaille im Biathlon gewonnen.

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Wir werden immer wieder feststellen, dass bei Ernährungsthemen ein Blick in unsere archaische Vergangenheit oder zumindest in die Zeit unserer Urgrosseltern hilft, unsere heutigen Wohlstandsprobleme besser zu verstehen. Wie war das wohl vor tausenden von Jahren als unsere Vorfahren als Jäger und Sammler durch die Wälder streiften? Zum einen sie streiften. Will sagen, sie bewegten sich. Und zwar wahrscheinlich mehr als die meisten von uns heute. So haben sie mehr Energie verbraucht als viele von uns am heutigen Tag. Zum anderen mussten sie sich von dem ernähren, was die Natur ihnen gab: Gemahlene Körner, Beeren, Nüsse, essbare Grässer, Kräuter und ab und zu etwas Fleisch. Was sie nicht bekamen sind Salzstangen, Gorgonzola, Cola oder ein paniertes Schnitzel. Hatten unsere Ahnen jetzt mehr Hunger als wir oder weniger? Fragen können wir sie nicht mehr. Aber wundern können wir uns, wieso wir eigentlich so viel Hunger haben. Vom Herumstreifen jedenfalls kommt es kaum. Woher dann?

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Andy's Karottentest

Die zwei Kandidatinnen

Der Zufall wollte es, dass ich gerade vor dem Kühlschrank stand und die Wahl zwischen zwei verschiedenen Karotten hatte: Die eine lag in einer Plastikschale neben etwa 15 Kolleginnen, alle zart umhüllt mit einem Negligé aus Zellophan auf dem stand “Bio Speisemöhren”. Die andere wartete geduldig mit drei Artgenossinnen in einer Plastiktüte darauf verzehrt zu werden. Geben wir den beiden Namen, damit es einfacher wird. Die erste heisst ab jetzt Biomöhrchen. Die Verniedlichungsform, weil sie recht schlank daher kommt. Die zweite soll krummer Brummer heissen. Das Bild spricht für sich.

Die Herkunft. Biomöhrchen habe ich aus dem Supermarkt zu mir geholt. Einem Discounter, der für seinen schnellen Warenumschlag bekannt ist. Aufgewachsen ist sie wohl in der Pfalz, so steht es zumindest auf der Verpackung. Dicker Brummer stammt aus Bayern. Von einem Gemüsehof. Direkt dort von meinem Schwiegervater in Obhut genommen. Komisch, denke ich mir, bei diesen zwei Karotten ist’s gerade anders rum als bei zwei bekannten Politikern aus diesen Bundesländern. Da war der Helmut der Dicke und der Edmund der Schlanke. Egal.

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Woraus ist eigentlich Brot gemacht, das nicht mit Vollkornmehl gebacken wurde? Aus Auszugsmehl. Das ist Mehl, dem bestimmte Teile des gemahlenen Korns fehlen. Nämlich der Keim und die Schale (Kleie). Diese beiden Bestandteile des Getreides beinhalten nämlich einen grossen Fettanteil, der das Mehl nach wenigen Wochen ranzig werden lässt. Als Verfahren auf den Markt kamen, mit denen Keim und Kleie abgetrennt und entfernt werden konnten, war es möglich unbegrenzt haltbares Mehl herzustellen. Für Produzenten und Handel natürlich ein grosser Vorteil. Aber auch für die Konsumenten?

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