
Wir werden immer wieder feststellen, dass bei Ernährungsthemen ein Blick in unsere archaische Vergangenheit oder zumindest in die Zeit unserer Urgrosseltern hilft, unsere heutigen Wohlstandsprobleme besser zu verstehen. Wie war das wohl vor tausenden von Jahren als unsere Vorfahren als Jäger und Sammler durch die Wälder streiften? Zum einen sie streiften. Will sagen, sie bewegten sich. Und zwar wahrscheinlich mehr als die meisten von uns heute. So haben sie mehr Energie verbraucht als viele von uns am heutigen Tag. Zum anderen mussten sie sich von dem ernähren, was die Natur ihnen gab: Gemahlene Körner, Beeren, Nüsse, essbare Grässer, Kräuter und ab und zu etwas Fleisch. Was sie nicht bekamen sind Salzstangen, Gorgonzola, Cola oder ein paniertes Schnitzel. Hatten unsere Ahnen jetzt mehr Hunger als wir oder weniger? Fragen können wir sie nicht mehr. Aber wundern können wir uns, wieso wir eigentlich so viel Hunger haben. Vom Herumstreifen jedenfalls kommt es kaum. Woher dann?
Ihr ahnt’s, es liegt an der Energiedichte dessen, was wir zu uns nehmen. Unser Magen ist ein einfacher Geselle. Er will nur regelmässig gefüllt werden. Womit ist ihm letztlich egal. Wenn wir ihn mit Nahrung füllen, die so richtig viele Kalorien hat, dann verdaut er die und wir finden diese Kalorien in Form von Fett wieder auf der Hüfte (oder an den Schenkeln oder an den sonstigen Zonen, die jeder kennt). Wenn wir ihn allerdings mit Essbarem füllen, das bei gleicher Menge wenig Kalorien hat, dann dauert es genau so lange bis Kollege Magen sich wieder mit seinen Hungerrufen meldet. Nur hat der Körper eben keine zusätzlichen Fettreserven angelegt. Oder evtl. sogar vorhandene abgebaut.
So einfach ist das also mit der Energiedichte. Sie beschreibt den Nährwert im Verhältnis zur Menge bzw. zum Gewicht. Wie der Nährwert gemessen wird, weiss jeder: das sind die Kalorien. Damit man das gut vergleichen kann, betrachtet man die Kalorien pro Gramm Nahrung. Da kommen dann Zahlen zwischen 0,1 (z.B. für Salat) und 8,0 (für Butter oder Diätmagarine) heraus.
In einer Studie der TU München haben die 2800 Probanden im Schnitt 1150 Gramm Nahrung pro Tag gegessen. Ganz simpel gerechnet erreichen wir mit einer Energiedichte von 1,5 bis 2 unseren täglichen Bedarf an Kalorien. Alles, was wir also essen, das eine höhere Energiedichte hat, trägt tendenziell dazu bei, dass wir zunehmen. Was eine niedrigere Energiedichte hat, hilft abzunehmen.
Die gute Nachricht ist jetzt aber, dass jeder seinen Mix selber zusammenstellen kann. Wer auf die Tiefkühlpizza (Energiedichte 2,1-2,9) abends nicht verzichten will, kann einfach bei einer anderen Mahlzeit seinen Hunger mit Brokkoli, Fenchel oder Zucchini (je 0,2-03) bändigen. Denn mit einer anderen Mär sei an der Stelle auch mal aufgeräumt: unserem Körper ist egal, ob er seine Energie morgens, mittags oder abends bekommt. Hauptsache er hält die Organe und den Apparat damit am Laufen.
Was heisst das für uns, wenn wir wieder mal durch den Supermarkt streifen? Wir können uns weiterhin etwas vorgaukeln oder wir lassen zur Abwechslung das Glas Nussnougatcreme (5,2) , die Gummibärchen (3,4) und den Müsliriegel (3,3-4,2) im Regal liegen, ignorieren, die Salami (3,7), den Leberkäse (3,0) und den Emmentaler (4,0) und schlagen beim Gemüsestand zu. Tomaten (0,2), Spinat (0,2), Gurken (0,1) , Champignons (0,2), Kohlrabi, Karotten und Lauch (je 0,3) sind wunderbare Alternativen. Sie alle haben daneben – wie Gemüse generell – noch andere Vorteile. Aber dazu bloggen wir ein ander mal.
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