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Die Weihnachtsmarkt-Fee

Ihr werdet kaum glauben, was mir gestern auf dem Weihnachtsmarkt passiert ist.

Obwohl der Tag warm war, sanken die Temperaturen nach Sonnenuntergang schnell in Richtung Gefrierpunkt. Denn der Himmel war klar. Die Luft war frisch. Das änderte sich aber umgehend, nachdem ich den Weihnachtsmarkt betreten hatte. Zuerst forderten Steckerlfisch' (geräucherte Fische) meine Nase heraus. Kurz darauf waberte Schupfnudelndampf aus einer Fressbude heraus. Das Gedränge wurde größer, Schweißausdünstungen mischte sich mit Zwiebelatem und Bratwurstgeruch. Optisch war's toll, olfaktorisch anstrengend.

Doch plötzlich änderte sich das. Auf einem Platz lichtete sich die Menschenmenge, und ich fand mich vor einem Crepes-Stand wieder, der ringsum mit Nutellagläsern verziert war. Auch hübsch, so als Weihnachtsschmuck. Rechts leuchtete ein heller Stern, köstlicher Glühweinduft drang in mein Riechorgan und strömte direkt in mein Gehirn. Ich zögerte nicht und orderte eine Tasse dieses köstlichen Trunks. Nach wenigen Schlucken des heißen Getränks erfüllte mich herrlich wohlige Wärme. Alle Probleme und Gefahren dieser Welt waren mit den Alkoholschwaden in den Abendhimmel geschwebt.

Gerade als dieses Die-Welt-ist-schön-Gefühl seinen sentimentalen Mantel um mich hüllen wollte, stupste mich jemand an. Ich drehte mich nach links und blickte in das Gesicht eines Engels. In der Hand hielt der Engel eine Tüte, aus der frisch gebrannte Mandeln Ihren köstlichen Duft verströmten. Ich griff hinein, steckte mir eine Mandel in den Mund und schloss die Augen. Meine Geschmacksknospen jubilierten. Noch eine Mandel, wieder ein Schluck Glühwein und noch eine Mandel. Da sprach der Engel, der in Wirklichkeit eine Fee war: "Heute erfüllt sich einer deiner geheimsten Wünsche: Alle Kalorien, die du auf dem Weihnachtsmarkt isst, zaubere ich weg. Gönne dir, worauf du Lust hast."

Mir wurde schwindelig. Konnte das wahr sein? Schlemmen, was die Buden hergaben? Ein Traum! Ich fing an zu taumeln. Im Fallen sah ich die Nutellagläser, dann schlug ich auf dem Boden auf. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich realisierte, was passiert war. Erst als mich eine kalte Schnauze beschnüffelte, kapierte ich, dass mich eine Hundeleine zu Fall gebracht hatte. Das Hundefrauchen streckte mir ihre Hand entgegen, um mir aufzuhelfen. Ich griff zu - und hatte Senf an den Fingern.

Da wurde mir schlagartig dreierlei klar: Es gibt keine Feen, Alkohol benebelt die Sinne, und Kalorien lassen sich nicht wegzaubern.

"Mir doch Wurscht", dachte ich trotzig und kaufte einen Nutella-Crepe. Dann ging ich mit einem so weiten Umweg nach Hause, dass ich wieder nüchtern war, als ich dort ankam. Wenn es schon keine Wunder gibt, muss man eben konventionell etwas gegen die Kalorien tun.

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War das Frauchen wenigstens
hübsch?
Eine soooo schöne Geschichte!

johanna heberer - 9. Dezember 2015

Zumindest wäre mir lieber gewesen, sie hätte mich anstelle des Hundes beschnuppert. ;-)

Vibono

eine tolle Geschichte, du bist einfach geboren zum Schreiben....ich habe mich köstlich amüsiert!

alice - 10. Dezember 2015

Danke, Alice! :-)

Vibono

Schöne Geschichte. Die Düfte auf den Märkten sind am Schlimmsten, dachte ich jedenfalls bisher :).
Die Hauptsache ist es hat geschmeckt.

Patricia - 13. Dezember 2015

Was eine tolle Geschichte, herzallerliebst, lächeln bis zum Ende ... Tja, träumen darf man ja ...

Marianne - 5. Januar 2017

Sehr schöne Geschichte, und als ich dies las, fühlte ich mich auf dem Weihnachtsmarkt und hatte auch die Düfte auf der Zunge. Alkohol wird mir nicht mehr gefährlich, weil ich trinke seit 16 Jahren keinen Schluck mehr, Bratwurst naja nicht so gerne, außer sie duftet so frisch und lecker, was meistens nicht der Fall ist, aber der Nutellea Crepe da hätte ich auch mit mir etwas kämpfen müssen. LG Regina

Regina Pröhl - 5. Januar 2017

:-)

Vibono

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