Ursachen von Müdigkeit

Ursachen von Müdigkeit

Ursachen von Müdigkeit

Tipps für eine bessere Analyse

Wer häufig müde ist, sucht meist nach der einen Ursache. Zu wenig geschlafen? Zu viel Party gestern? Zu viel gearbeitet? Zu fettig gegessen? Zu wenig Bewegung? Vielleicht Eisenmangel? Vielleicht die Schilddrüse? Oder doch einfach dieser Dauerstress?

Manchmal gibt es einen so klaren Zusammenhang. Eine kurze Nacht erklärt die Pomadigkeit am nächsten Morgen. Ein Infekt erklärt ein paar zähe Tage. Eine harte Trainingsrunde erklärt schwere Beine. Ein Glas Wein zu viel erklärt den dumpfen Kopf am nächsten Vormittag.

Oft ist Müdigkeit aber die Folge verschiedener diffuser Faktoren, die zusammenkommen. Ein bisschen zu wenig Schlaf. Ein bisschen zu viel Druck. Ein üppiges Mittagessen. Zu viele offene Aufgaben. Ein ungelöster Konflikt. Dazu vielleicht ein Infekt, der nicht richtig vorbei ist. Dazu keine optimale Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen, weil die Ernährung ja generell zu wünschen übrig lässt.

Jeder Punkt für sich wäre kein Problem. Ein müder Tag wäre die Folge, der aber schnell wieder vergessen wäre, weil energiegeladene Tage folgen. Doch viele Menschen erleben Müdigkeit relativ häufig.

Wenn Belastung zur Grundstimmung wird

Akute Müdigkeit ist meist gut erklärbar. Man hatte Gäste, war lange unterwegs, hat gefeiert, hat die WHO-Empfehlungen bezüglich Sport mehrere Tage hintereinander deutlich übertroffen oder musste kurz vor einer Deadline noch alles fertig bekommen. Dann passt die Müdigkeit zur Belastung.

Tückischer wird es, wenn solche Belastungen zum Alltag werden. Wer jede Woche zu spät ins Bett geht, jeden Tag viele Meetings hat und noch nach Feierabend Nachrichten beantwortet, ständig zwischen Aufgaben hin- und herspringt und kaum echte Pausen hat, erlebt Müdigkeit irgendwann als Normalzustand.

Überlastung muss dabei nicht spektakulär aussehen. Es reicht oft, zu viele Dinge gleichzeitig im Blick behalten zu müssen: Termine, Nachrichten, Erwartungen, Kinder, Arbeit, Einkäufe, Rechnungen, Entscheidungen. Dazu die kleinen offenen Aufgaben, die nie ganz verschwinden.

Solche Dinge beschäftigen den Kopf mehr als einem lieb ist. Vieles ist nicht gelöst, sondern schlummert im „Unterbewusstsein“ und taucht immer wieder auf. Kurz: Man ist nie fertig.

Stress macht erst wach, dann müde

Akuter Stress kann kurzfristig antreiben. Viele Menschen werden unter Termindruck erst richtig produktiv: vor einer Prüfung, einer Präsentation oder einer wichtigen Abgabe. Dann wird Unwichtiges ausgeblendet und man ist plötzlich so wohltuend effektiv.

Danach kommt oft der Einbruch. Wahrscheinlich jeder hat schon mal erlebt, dass man dann gerade im Urlaub krank wird. Denn dann ist der Druck weg und der Körper gibt sich Zeit, aufzarbeiten, was vorher mit Nachdruck herunterpriorisiert wurde.

Dauerstress wirkt anders. Er hat oft keinen klaren Anfang und kein klares Ende. Dauernde Erreichbarkeit, Leistungsdruck, Beziehungsstress, Geldsorgen, ein schlechtes Arbeitsklima oder das Gefühl, nie fertig zu werden, laufen wie Hintergrundmusik.

Man könnte keinen klaren Stressor benennen. Man merkt nur, dass das Tempo und die Last dauerhaft zu hoch ist.

Multitasking zerfasert den Kopf

Viele halten Multitasking für Effizienz. Man schreibt eine Nachricht, hört halb zu, überfliegt eine E-Mail und denkt schon an den nächsten Termin. Das wirkt produktiv, strapaziert das Gehirn aber enorm.

Denn der Kopf macht nicht alles gleichzeitig. Er springt hin und her. Jeder Wechsel braucht neue Orientierung: Wo war ich? Was wollte ich? Was ist jetzt wichtig?

Am Ende war man dauernd beschäftigt, aber innerlich zerfasert. Diese Müdigkeit fühlt sich anders an als nach körperlicher Arbeit. Nicht angenehm erschöpft, sondern matschig.

Was da im Gehirn passiert, lässt sich sehr gut wissenschaftlich fundiert beschreiben. Allerdings anders, als man das bisher oft zu lesen bekam. Wir kommen sehr bald dazu.

Sinnlose Aufgaben kosten mehr Kraft

Nicht jede Tätigkeit ermüdet gleich stark. Eine Aufgabe, die wichtig erscheint, kann anstrengend sein und trotzdem tragen. Man weiß, wofür man es macht. Man brennt dafür. Die Anstrengung fühlt sich nicht wie Last, sondern wie eine spannende Herausforderung an. Das Ziel erscheint lohnenswert.

Ganz anders ist es bei Tätigkeiten, die sinnlos, beliebig oder fremdbestimmt wirken. Eine Besprechung, die nichts verändert. Ein Bericht, den niemand liest. Eine Aufgabe, deren Zweck unklar bleibt. Wenig überraschend werden regelmäßig Studien veröffentlicht, wonach 10-15% angestellt Arbeitende innerlich gekündigt haben sollen und 50-70% Dienst nach Vorschrift machen.

Solche Tätigkeiten können erstaunlich müde machen, obwohl sie objektiv gar nicht schwer sind. Man arbeitet, weil man das Geld braucht, aber Feuer der Leidenschaft für den Job hat man noch nie oder schon lange nicht mehr verspürt.

Das Gegenbild ist Flow. Man ist konzentriert, gefordert und ganz bei der Sache. Die Zeit vergeht schnell. Ablenkungen verlieren an Macht. Man fühlt sich wach, lebendig und getragen. Sinnerfüllt. Auch das kann müde machen, aber anders: nicht leer und zäh, sondern angenehm beansprucht und zufrieden.

Schlaf ist der große Klassiker

Zu wenig Schlaf ist eine naheliegende Ursache. Aber auch hier lohnt der genaue Blick.

Eine kurze Nacht merkt man sofort. Wiederholter Schlafmangel ist heimtückischer. Zwar fehlt jeden Tag vielleicht nur ein bisschen, was harmlos wäre, aber ein dauerhaftes Schlafdefizit macht sich nach einigen Tagen bereits bemerkbar.

Kommt dann nicht eine erholsame Phase, sondern man über längere Zeit zu wenig Schlaf, kann sich der Körper mit zu kurzen Nächten arrangieren. Er passt sich an. Immer häufiger wird das dann spürbar durch Müdigkeit oder Erschöpfung. Man kennt sich dann gar nicht mehr richtig wach. Kaffee ist dann nicht mehr Genussmittel, sondern flüssiges Additiv der Lebensführung.

Neben der Schlafquantität spielt auch die Qualität eine große Rolle. Sieben Stunden im Bett bedeuten nicht automatisch sieben Stunden pure Erholung. Wer schlecht einschäft, öfter aufwacht, grübelt, Schmerzen hat, schnarcht, Atemaussetzer hat, nachts Alkohol abbauen oder ein spätes Abendessen verdauen muss, kann morgens müde sein, obwohl die Uhr eigentlich genug Schlafzeit anzeigt.

Wochenende, Alkohol und Sport

Wochenenden können besonders strapaziös sein. Klar will man da leben, wenn man die Woche über vor allem funktionieren muss. Party, Gäste, Sport, lange Autofahrten, Familie und natürlich all die Dinge, die erledigt werden müssen, zu denen man aber unter der Woche nicht kommt.

Freizeit ist häufig alles andere als erholsam.

Alkohol verstärkt diesen Effekt häufig. Viele schlafen damit zwar schneller ein, aber nicht besser. Und je mehr Alkohol, desto schlechter die Erholung.

Auch Sport kann vorübergehend müde machen. Das ist normal, wenn die Belastung ungewohnt oder hoch war. Während Alkohol langfristig keinen Nutzen für den Körper hat, ist Bewegung allerding sehr gesund. Wichtig ist aber auch hier: Der Körper braucht Zeit für Reparaturen, Regeneration und Kompensation.

Essen kann müde machen

Viele erleben Müdigkeit besonders nach dem Mittagessen. Auf den ersten Blick erscheint das vielleicht verwunderlich, weil der Körper doch gerade neue Energie bekommen hat.

Das ist aber ein Trugschluss. Denn die Energie, die in Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten enthalten ist, muss erst (in ATP) umgewandelt, transportiert und teilweise gespeichert werden. Dafür müssen Enzyme und Homone aktiviert oder gar produziert werden. Fettsäuren und Aminosäuren müssen zerlegt werden, Kohlenhydrate müssen aufgespalten werden, Giftstoffe müssen entsorgt werden usw. Bei fettigen oder üppigen Mahlzeiten dauert das eine Weile. Sie belasten das System über längere Zeit. Schnell verfügbare Kohlenhydrate dagegen bringen den Blutzuckerspiegl in Wallung. Viel Zucker -> schneller Blutzuckeranstieg -> viel Insulin -> heftiger Absturz des Blutzuckerspiegels -> Schlappheit oder Heißhunger.

Dieser Stoffwechselprozess, den wir Verdauung nennen, ist harte Arbeit und erfordert einige Energie. Auch wenn der Energie-Output viel höher ist als der Input, steht die benötigte Energie nicht an anderer Stelle zur Verfügung.

Wir werden diesem bislang häufig völlig unbeachteten Fakt, dass verfügbare Energie im menschlichen Organismus begrenzt ist, noch mehrfach begegnen und natürlich eingehend besprechen. Dann werden wir auch das vermeintliche Paradox klären, wieso Übergewichtige, die ja große Energiemengen in Fettzellen mit sich herumtragen, häufig zu wenig Energie zur Verfügung haben.

Krankheit, Entzündung und versteckte Ursachen

Bei Infekten ist Müdigkeit normal. Grippe, Corona, Magen-Darm-Infekte oder Erkältungen können deutlich erschöpfen. Manchmal ist Müdigkeit sogar das erste Zeichen, bevor Husten, Fieber oder Schmerzen auffallen.

Auch nach einer Krankheit kann Erschöpfung bleiben. Der Infekt ist vorbei, aber die Belastbarkeit ist noch nicht zurück. Man ist nicht mehr richtig krank, aber auch noch nicht richtig fit.

Ähnlich können Entzündungen im Hintergrund mitspielen. Manche sind bekannt: Rheuma, Darmerkrankungen, Nebenhöhlenprobleme, Zahn- oder Hautentzündungen. Andere laufen unbemerkt ab. Man hat weder Schmerzen noch Fieber und fühlt sich nicht krank. Dennoch fühlt man sich gedämpft, träge oder ungewöhnlich erschöpft.

Dazu kommen Ursachen, die man von außen kaum erkennt: Eisenmangel, Blutarmut, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Vitamin-B12-Mangel, Schlafapnoe, chronische Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hormonelle Umstellungen, Autoimmunerkrankungen oder längere Folgen von Infekten.

Auch Medikamente werden leicht vergessen. Schlafmittel, Beruhigungsmittel, manche Allergiemittel, Schmerzmittel, Blutdruckmedikamente oder Psychopharmaka können Müdigkeit auslösen oder verstärken.

Psychische Belastungen und Stress

Andauernde Sorgen, Angst, innere Anspannung, fehlende Anerkennung, ein schlechtes Arbeitsklima, belastende Beziehungen, Trauer oder gar Depressionen können müde und antriebslos machen.

Solche Müdigkeit ist nicht eingebildet! Sie ist höchst real. Psychische Belastung zeigt sich nicht nur in Gedanken. Sie verändert Schlaf, Appetit, Muskelspannung, Konzentration, Stimmung und Körpergefühl.

Das gilt auch für eines der größten Probleme unserer Zeit: Stress! Mit all seinen Ausprägungen und Ursachen. Das schauen wir uns natürlich sehr genau an.

Die rolle psychischer Einflussfaktoren auf Erschöpfungssymptome wird noch sehr häufig unterschätzt. Auch von Medizinern und sogar von Psychologen.

Indem man den Menschen ganzheitlich betrachtet und dabei die vernetzte Funktionsweise von Gehirn und Körper versteht und das sie verbindene Nervensystem nicht auf den Vagusnerv reduziert, den man vermeintlich geschickt durch Druck auf die richtigen Punkt aktivieren muss, ergibt sich völlig neues Verständnis für die so viele Menschen treffende Müdigkeit.

Licht ins Dunkle bringt auch hier: Energie!

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